von winterschlaf und untergrund

manchmal sehne ich mich im winter nach der gesellschaft von tieren. ich streife durch die verschneite landschaft, stapfe gedankenversunken durch den schnee, vergesse meine eiskalten füße, die wintersocken, die handschuhe, die tropfende nase und dringe mit meinen blick durch die haine, doch nichts ist zu sehen. es scheint, alsob die animalische fraktion dem winter den rücken gekehrt hat, oder ist es am ende eher doch der traditionelle winterschlaf, dem sie verfallen ist? einige unserer vertrauten wald- und wiesenbewohner legen in der kalten jahreszeit ein nickerchen ein und erholen sich von den schrecken und strapazen der vergangenen saison. warum sich dem klaren schein des frostes stellen, wenn es im wunderbau des untergrunds nähe und wärme zu spüren gibt. vielleicht schlafen manche tiere nicht einmal. sie treffen sich im untergrund und geben ein animalisches sinnesfest der triebe und kommen im winter alle an einem ort wieder zusammen.
brauchen wir auch eine art winterschlaf zur erholung? ich ging dieser frage nach und fand mich in nächster zeit in wärmeren und gemütlicheren gefilden wieder. wohnungen, bars, restaurants. es gibt sie zu hauf. und tatsächlich trifft man menschen, die man das ganze jahr über nicht gesehen hat. und plötzlich verfällt man in gespräche, von denen man nie gedacht hätte, das man diese jemals mit dieser person halten könnte. sind es am ende sehnsüchte unseres unterbewusstseins, die nach längerem gährungsprozess in der warmen und gemütlichen atmosphäre des kaninchenbaus endlich gestalt annehmen und gesprächsthema werden? und wenn ja, warum zeigen sich diese dann nur zu dieser jahreszeit und nur an diesem ort in jenem moment?
ein winterschlaf ist für uns eher eine art trance, die auch nur in einem bestimmten kollektiv entstehen kann. dann beginnt man sich zu häuten und die alte, nackte schale fällt von der neuen haut. der rückzug in den untergrund bietet uns die möglichkeit, einander auf eine andere art und weise zuzuhören, vielleicht auch einmal neu in sich hineinzuhören, den trüben blick zu schärfen und unser "gegenüber" in seiner ganzheit verstehen zu können.
heute habe ich den kopf das erste mal aus dem kaninchenbau meines kopfes gesteckt und fortan etwas neues geschnuppert. eine ankündigung des frühlings? ich geh mal weiterschnuppern...und ihr solltet erstmal im untergrund verschwinden und einen kleinen winterschlaf halten. glaubt mir, es tut gut ein paar schnarcher zu machen!

s.

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