vom tropistischen warten

es gibt eine zeit im winter, die sich nicht klar in unser jahreszeit-kontinuum einordnen lässt. in dieser zeit scheint es nicht wirklich kalt, aber auch nicht richtig warm zu sein. immerwieder wird man von plötzlichen stürmen, kälte- und wärmeeinbrüchen erschreckt. die wahl des am besten geeigneten kleidungsstücks fällt ebenso schwer, wie die wahl zwischen einem würzigen chai und einem lieblichen jasmintee. kurzum, geraten wir in einen zustand der existenziellen orientierungslosigkeit.
diese orientierungslosigkeit äußert sich vorallem im warten, welches unmittelbar aus unserer unentschlossenheit entsteht.
in diesem warten treffen sich unser aller gemüter. es scheint, alsob man mit allen gleichsam, geradezu tropistisch auf einen reiz wartet, der uns dazu bewegt, wieder folgerichtig und orientiert zu handeln.
interessant ist jedoch die verhaltensweise derjenigen, die mit uns warten. eine seltsame unbefangenheit entsteht plötzlich untereinander, und man weiß, das sich das gegenüber in demselben zustand befindet, wie man selbst. irgendwann im laufe des gesprächs erhofft man sich sogar, dass der bevorstehende reiz des aufbruchs erst gar nicht eintreffen möge, weil dadurch dieser wunderbare unbefangene zustand sein ende hätte. jeder würde wieder durch seinen eigenen reiz beflügelt, sein persönlich orientiertes leben leben. gleichsam fragte ich mich, ob es nicht einen einzigen reiz geben könnte, der uns alle gleichsam in eine richtung bewegt. was macht einen tropistischen reiz aus?
orientierungslosigkeit äußert sich unter anderem auch in rage. das sich eine frau, lachs in pfeffersoße bestellt und sich im nachhinein darüber echauffiert, dass der lachs angebrannt schmecken würde, zeugt von einer unzufriedenheit, die in diesem warten auf den reiz verwurzelt ist. der winter kommt und man sehnt sich nach dem sommer. es kommt der sommer und schon fürchtet man den winter.
vielleicht ist gerade diese wartende zeit, der reiz, den wir als solchen nur nicht wahrnehmen, sondern verachten, da er uns orientierungslos zurücklässt.
trifft man sich jedoch lange zeit später zur warmen jahreszeit wieder, so behält man dieses warten in unvergesslicher erinnerung. das warten weckt in uns, durch die orientierungslosigkeit, den wunsch nach einem gemeinsamen streben.
lasst uns diesen furchtbaren orientierungslosen reiz teilen und genießen!

s.

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