von der schwebung

die augen sind offen. der blick ist starr nach vorne gerichtet und man fixiert unbewusst einen bestimmten gegenstand ohne seine beschaffenheit zu hinterfragen. irgendwann ist man sich des geisteszustandes bewusst und man fragt sich, ob jemand diesen zustand bemerkt hat. diese momente sind die seltenen momente der substanzlosen gedankenfreiheit. körper und geist sind in diesem zustand vollkommen und konzentrieren sich nicht im geringsten auf ein bestimmtes ziel. es ist eine art schwebung des gemüts, die meistens nur von kurzer dauer ist. 
im sommer ist diese schwebung häufiger anzutreffen, was wohl daran liegt, das körper und geist drastischeren äußeren einflüssen ausgesetzt sind, als im winter. der sommer birgt im gegensatz zum winter ein leichteres aber machtvolleres geheimnis, als wir es im winter unter der kalten oberfläche erahnen können. im winter hat man das ziel, die welt unter der schneedecke zu entdecken und zu enteisen. im sommer liegt alles brach und frei und die haut der erde reagiert sensibel und höchst einfühlsam auf jede berührung und jedes wechselspiel mit uns. wie äußert sich das? was sind die unbewussten momente in denen mensch und sensible erde miteinander ohne zusatzstoffe und katalysatoren reagieren?
einer der vielen, die ich diese saison erwähnen möchte, ist die schwebung; der zustand, in dem wir haltlos, gedankenfrei nach vorne blicken und wahrnehmen. oft verfallen wir in die schwebung am morgen, kurz nach dem aufstehen. man könnte viele stunden in diesem zustand verbringen, doch wird man irgendwann aus dieser situation herausgerissen und verfällt in das gewöhnliche wahrnehmungsmuster. die schwebung ermöglicht uns kurz aus unserem gängigen muster auszubrechen, da sie sich ohne jeglichen zwang und ohne willen einstellt.
man kann und darf sie nicht erzwingen. freut euch auf sie und heißt mit ihr den sommer willkommen!

s.