von den gefährten


es war einmal an einem trüben verregneten morgen.
ich stand an der ampel neben einem kommilitonen. ich sah ihn bereits, als ich aus der bahn stieg und stellte mich an der ampel neben ihn. da er aber kopfhörer in seinen ohren stecken hatte, bemerkte er meine anwesenheit nicht. ich begrüßte ihn mit absicht nicht. es war eine art spiel. bemerkt er mich, oder nicht? es kam nicht zum bemerken. die ampel schaltete auf grün, und er schritt von dannen. also entschied ich mich die straßenseite zu wechseln um einen anderen weg einzuschlagen. wie seltsam.
kurz nach jahresbeginn, wo wir doch so offensichtlich die chance bekommen - wie eigentlich jeden tag - etwas zu entdecken, oder zu ändern, verwehren uns eben jene neu entdeckten dinge, wieder die entdeckung anderer. wir beginnen unseren tag stereotypisch, laufen dieselben wege, kaufen mal hier mal da unseren kaffee und bemerken nicht wer oder was da noch diesen weg mit uns entlang geht.
gerade nach neujahr, wo so viele von uns, alte wege verlassen und neue einschlagen, wo türen geschlossen und fenster geöffnet werden, ist es wichtig zu schauen, welche personen dieselbe richtung eingeschlagen haben.
gefährten braucht man im neuen jahr ebenso wie im alten. damit meine ich nicht nur personen, sondern auch orte, stimmungen, manieren, konventionen, aber auch traditionen. gefährten müssen unseren weg vielleicht nicht bis zum schluss begleiten. oft schlagen sie in der hälfte einen anderen weg ein, nur um sich dann am ziel gemeinsam wieder zu begegnen.
das ist die kunst, das wunder, die improvisation über ein festes thema: einen gemeinsamen weg auf verschiedenen pfaden zu finden.
wie mein kommilitone, den ich wenige minuten später in der uni antraf.

s.

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